Nicht kalt erwischen lassen

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Nicht kalt erwischen lassen


Wenn die Temperaturen sinken, müssen Architekten und Bauherren mit reichlich Fingerspitzengefühl heizen: Bodenbeläge reagieren nämlich ziemlich empfindlich gegenüber kalten Witterungsbedingungen.

 

Härte kann dauern

Estriche sind in ihrer chemischen und physikalischen Härtung abhängig von der Luft-, Boden- und Materialtemperatur. Dies kann zu unerwünschten Nebenerscheinungen führen, wenn vor oder während der Verarbeitung kühle bis kalte Temperaturen herrschen. Häufig kommt es zu längeren Härtungs- und Reaktionszeiten. Daraus folgen wiederum längere Wartezeiten, bis die Flächen überarbeitet werden können.

Tiefe Temperaturen können zu geringeren Festigkeiten bei der Inbetriebnahme von Sanierungs-Flächen führen und sogar eine unvollständige Vernetzung von zwei- oder mehrkomponentigen Produkten nach sich ziehen. Carbamatbildung (weißes Anlaufen) und Feuchtigkeitsschäden durch das Erreichen von Taupunkttemperaturen können die Folge sein. Weiterhin erhöhen sich aufgrund der höheren Viskosität auch die Verbrauchswerte der eingesetzten Materialien.

 

5° Celsius Minimum

Für das Verlegen von Estrichen ist eine Temperatur von 5 °C notwendig. Innentemperaturen sind deshalb so zu regulieren, dass sie 5 °C nicht unterschreiten, gleichzeitig aber auch 15 °C (bei Zementestrichen) bzw. 20 °C (bei Calciumsulfatestrichen) nicht übersteigen. In der Folge darf die Innentemperatur nur in kleinen Stufen erhöht werden. Die Temperaturen von 15 °C bzw. 20 °C sollten dabei sieben Tage nach Verlegen nicht überschritten werden.

Beim Verlegen von Holzfußböden sowie Textil- und elastischen Böden darf die Temperatur des Untergrundes 15 °C nicht unterschreiten. Bei Fußbodenheizungen ist eine Oberflächentemperatur zwischen 18 °C und 22 °C einzuhalten. Die Lufttemperatur wiederum darf nicht unter 18 °C liegen, die relative Luftfeuchte sollte dabei zwischen 45 % und 65 % betragen. Diese klimatischen Bedingungen sind bauseits zu gewährleisten und beziehen sich auf Innenräume bzw. die zu belegenden Bereiche.

 

Heiße Tipps bei Kälte

Grundsätzlich werden Bodenbeläge immer nur in zulässigen Temperaturbereichen verarbeitet. Um die erforderlichen Innentemperaturen und Luftfeuchten auch im Herbst und Winter zu gewährleisten, muss bei Frost und kalter Witterung also frühzeitig und professionell geheizt werden.

Es sollten zudem folgende Parameter berücksichtigt werden:

  • Die im technischen Merkblatt angegebenen Zeiten für die Begehbarkeit oder auch volle Belastbarkeit von Estrichen verlängern sich deutlich.
In aller Regel kann fast mit einer Verdoppelung dieser Zeiten gerechnet werden.
  • Wenn Epoxidharze verarbeitet werden, muss auf eine Verlängerung der Zeiten für die Bildung von Carbamat geachtet werden. Carbamat ist eine Reaktion zwischen B-Komponente EP und Luftfeuchtigkeit. Das Produkt kann dabei sogar komplett zerstört werden.
  • Bedingt durch niedrigere Temperaturen ist der Verlauf der Beschichtung schlechter, zudem kann Quarzsand schlechter aufgenommen werden. Dadurch kann u. U. die Schichtdicke nicht mehr erreicht werden.

Als Alternative können schnell- und tieftemperaturhärtende Reaktionsharze verwendet werden, die jedoch deutlich teurer in der Beschaffung sind. Vor- und Nachteile eingesetzter Materialien sowie Arbeitsweisen müssen deshalb sorgsam abgewogen und gegebenenfalls tagesaktuell auf die Witterungsbedingungen angepasst werden.

 

Kühlen Kopf bewahren

In jedem Fall erfordert Kälte viel Erfahrung bei der Baustellenplanung und der Disposition. Die Baustellenanlieferung muss rechtzeitig in die Wege geleitet werden, damit bis Arbeitsbeginn nicht nur Luft und Grund in den zu beschichtenden Räumlichkeiten temperiert werden können, sondern auch das einzusetzende Material die erforderliche Verarbeitungs-Temperatur erreicht.

Beim Heizen ist wiederum zu beachten, dass Gebläse-Heizungen bei wässrigen Produkten schnell mal zu einer Abtrocknung des Wasserfilms an der Oberfläche und somit zu Hautbildung führen. Zudem sollten keine Gasheizungen oder Heizgebläse eingesetzt werden, die direkt im Gebäude Öl verbrennen, da diese zu Taupunktverlagerungen führen können.

Bei Frost müssen empfindliche Produkte wie wässrige EP-Beschichtungen oder PUR-Versiegelungen aus technischen Gründen mit einem Thermotransport transportiert werden. Darauf erheben die Lieferanten in der Regel einen Frachtzuschlag. Zudem ist im Winter noch etwas sehr Naheliegendes zu beachten: Bei Schnee und Eis kann ein Logistik-Lkw schon mal ein wenig länger unterwegs sein. Deshalb heißt es, wenn’s frostig wird: weitsichtig planen und einen kühlen Kopf bewahren.

Damit man am Ende nicht kalt erwischt wird …